Der Zug des Lebens

Zugfahren ist überhaupt nicht wie das Leben. Beim Zugfahren weiß man, wohin man will und sogar, wo man dafür aussteigen muss. Ich liebe das. Man sitzt am Fenster und zieht an bunten Landschaften vorbei, dabei höre ich Musik -ich bin chronischer Musikhörer- und bekomme ein berauschendes Gefühl, eigenständig, unabhängig und frei. Weil ich gerade nichts machen muss, ich kann nur sitzen und warten.  Dabei sind Mitfahrer generell natürlich störend. Wenn ich mich nämlich diesen Gefühlswelten so aussetze, zeichnet sich das sehr deutlich in meinem Gesicht ab. Ich glaube, dass es sehr verrückt wirkt, wenn ich mit einem irren Grinsen vor mich hingluckse. Zugfahren ist entblößend. Wir denken nach und sind traurig; wir denken an alte Momente und unsere Augen leuchten. Und bei all dem vergessen wir hin und wieder, dass wir neben fremden Menschen sitzen, die uns manchmal beobachten, weil sie nur sitzen und warten können. Das ist mir unangenehm und ich setze mich immer am liebsten neben einen freien Sitzplatz, oder versuche nicht zu auffällig zu sein, wenn ich das Lied stumm, aber enthusiastisch mitsinge. Dabei ist es so spannend die vielen Menschen zu sehen mit ihren verrückten Freuden und Leiden, die sie ihr Leben lang begleiten. Wenn ich es mir recht überlege, ist Zugfahren vielleicht doch ein bisschen wie das Leben.

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2 Gedanken zu “Der Zug des Lebens

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