Wie ich einen Cop entzweiteilte

Hinten war das T-Shirt zusammengebunden, so als wäre es sonst zu groß. So, als wäre das nicht sein T-Shirt. Das war kein Cop! Ich beobachtete, wie der falsche Polizeimann an mein offenes Fenster zurückkam und mir meinen Führerschein entgegenstreckte. Das ist  der älteste Trick der Welt. Man hält jemanden etwas hin und während dieser danach greift, schnappt man zu und nimmt ihn gefangen. Aber ich brauchte meinen Führerschein und ich konnte mir nicht sicher sein, dass er tatsächlich kein Cop war. Zögernd griff ich nach der Plastikkarte. Laut und ängstlich quiekte ich, meine Freundin schaute von ihrem Buch auf und schaute mich befremdet an: „Was ist los?“ Ich saß – irgendwie – zusammengekauert mit krummen Rücken vom Fenster weggedreht, mein Buch mit beiden Händen umklammert. Stammelnd und außer Atem erklärte ich meinen Aufschrei: „Chris hat den Fake-Cop fast umgebracht, aber hat Pfefferspray in den Augen und fährt blind Auto während Amy neben ihm versucht ihm links, rechts, geradeaus zuzurufen und der Cop ist ihnen schon wieder auf den Fersen!“ Meine Freundin blinzelte zwei Mal: „Ich dachte, der Cop sei halb tot?“ – „Na ja, so tot auch wieder nicht. Was passiert bei dir?“ Ein irres Grinsen erschien auf ihrem Gesicht, ihre Augen glänzten: „Leo erklärt gerade, dass er Schränke und Truhen und Schubladen und Kisten voller Gefühle für sie hat, aber auch die dazugehörigen Schlüssel. Sie sagt, dass seine Schränke bald platzen werden, weil die Gefühle da drin Auslauf brauchen und nicht genug Luft kriegen.“ Der Zug rauschte durch eine gelbgeblümte Landschaft, die Sonne schien mir auf den Rücken. Meine Freundin legte grazil ihre Beine hoch und blätterte verliebt die Seite um. Ich starrte finster zurück auf mein Buch, denn für mich war es nachts und ich war gerade dabei rückwärts in das Polizeitauto zu rasen. Mein Auto hatte den falschen Cop entzweigeteilt. Ich öffnete den Kofferraum und fand den echten Polizisten, tot. Ich hatte aufgehört mich zu wundern, weshalb mir solche Tatsachen nichts ausmachten. Nachdem ich mein Used-to-be-a-car ausgeräumt und die Nummernschilder abgeschraubt hatte, machte ich mich auf die Suche nach Amy, die irgendwo in diesem Wald mit meiner Waffe herumrannte.

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5 Gedanken zu “Wie ich einen Cop entzweiteilte

  1. Der Inhalt des Buches entspricht „Mind + Body“ von Aaron Dunlap. Meine Freundin las „Alle sieben Wellen“ von Daniel Glattauer. Beides sehr gute Bücher.

  2. Irgendwoher kam mir grade auch der Satz mit den Truhen und Schubladen bekannt vor – uhhh

    Wirklich schön. Der Text gefällt mir, weil man ihn zwei mal lesen muss um ihn vollends zu verstehen – und dann macht er noch mehr sinn. sowas ist toll!

  3. Ich find es immer so interessant zu hören, wie andere einen Eintrag sehen. Da kommen ganz neue Ansichten und Interpretationen auf. Toll. Meine Texte führen ein Eigenleben :D

  4. Du hast diese Momente genau so beschrieben wie sie wirklich waren, ohne ein Wort zu viel zu nennen und ohne jegliche Übertreibung! Und trotdem merke ich jetzt erst, wie schön diese Zugfahrt mit dir war. Dankeschön, du hast mir mit diesem Text eine Erinnerung mehr verschafft.

    1. Danke für diesen tollen Kommentar. Hat mich sehr begeistert, was ein Lob. Ich bin knallrot! Doch du irrst dich. Mit Sprache kann man Erlebnisse verändern, Leser verwirren und einlullen. Ohne zu Lügen habe ich es dennoch beschönigt. Aber anscheinend erfolgreich, da du es nicht mal gemerkt hast!

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