Me – The Remake

Ich sitze mir selbst gegenüber. Die ganze Zeit hatte ich in Gedanken verfangen aus dem Fenster geschaut, erst nach einem kurzen Blick in den Zug hatte ich bemerkt, dass ich mir gegenüber sitze. Ich sehe anders aus – schwarzes, krauses Haar, schwarze Haut, aber die gleiche Figur, die gleiche Haltung, der gleiche Ausdruck. Ich sitze zum Fenster gedreht, einen Fuß auf die Stufe der Heizung gestellt, den Kopf auf die Hand gestützt. Das sieht müde aus, gelangweilt, schlecht gelaunt, unwohl. Wirke ich so auf andere Menschen? Ich straffe meine Schultern und setze mich gerade hin, lächele zur Probe etwas. Funktioniert ganz gut. Das Ich mir gegenüber schaut unberührt weiterhin nach draußen. Vielleicht braucht es etwas Zeit, bevor es mich nachahmt. Während ich es beobachtet hatte, saß es ja auch noch in meiner Position von vorher. Jetzt dreht sich das andere Ich zu mir und schaut mich irritiert an. Oh, das bin ja gar nicht ich. Überhaupt nicht der gleiche Blick. Gut, dass ich ich bin. Fröhlich strecke ich meine Beine aus und rutsche hin und her, um eine gemütliche Haltung zu finden. Das andere Ich, was ich nicht bin, schaut wieder motzig aus dem Fenster und verliert sich in Gedanken.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s