Kleine Schrittchen

Frankfurt, Hauptbahnhof. Es ist kalt, unwürdig kalt. Selbst die Tauben lassen heute ihre Sturzflüge auf die Passanten sein, obwohl sie sonst immer eine Heidenfreude daran haben. Der Bahnsteig ist leicht mit Frost bedeckt. Ein altes, dick in Wolle vermummtes Pärchen trippelt darauf entlang. Die Frau ist sehr klein mit einem gewaltigen Hintern, und sie hält sich klammernd an den langen Arm ihres knochigen Mannes fest. Mit kleinen Schrittchen gelangen sie zu einem hektischen Bahnschaffner. Die Frau fragt in gebrochenem Deutsch, kleine Dampfwolken ausstoßend: „Excuse me, Sir, is das dör Train nag Köln?“ Tattrig lächelt sie ihn an, während ihr Mann zustimmend mit seinem ganzen Körper nickt. „Japp“, erwidert der Schaffner trocken, pfeift kurz in seine Trifferpfeife, knallt die Türen zu und der Zug rast förmlich aus dem Bahnhof hinaus – das Pärchen scheu und verdattert am eingeforeren Bahngleis zurücklassend.

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