Schön, dass es euch gibt, liebe Bahnmitarbeiter

(Lautes Räuspern, zur Not mit der Gabel an das Glas hämmern) Jeder kann schreiben. Hieß es mal irgendwo. Äh… Nein. Schwachsinn. Aber eine, die hat es, das ultimative Gen zum Schreiben! Sie studiert mit mir, ist kreativ und gnadenlos, und ist mir nie böse, obwohl ich ständig nachgucken muss, wie ihr Nachname geschrieben wird. Das Talent der Hamburgerin explodiert regelmäßig auf ihrem eigenen Blog, aber heute mal bei mir. Als ich sie in einem Seminar fragte, ob sie Lust habe, etwas für mich zu schreiben, schaute sie mich argwöhnisch mit ihren bestechend grünen Augen unter einem dicken Eyelinerstrich an und fragte, ob ich zu viel Kaffee getrunken habe. Nein, hatte ich nicht. Ehrlich nicht! Also wird das der erste Gastbeitrag in der Geschichte von catch the train if you can. Hier ist… Judyta Smykowski! (wilder Applaus)

Foto von Daniela Sawetzki

Schön, dass es euch gibt, liebe Bahnmitarbeiter

Ihr steckt in blauen Hosen und blauen, regenresistenten Jacken, deren Ärmel meistens viel zu lang sind. Ihr habt knallrote Baskenmützen auf dem Kopf. Kleidung, die ihr privat nie tragen würdet. Ihr sagt Sätze wie: „Die 59 kommt mit ein paar Minuten Verspätung an.“ Und meint damit die Regionalbahn. Besonders ihr weiblichen Exemplare habt Alleinstellungsmerkmale. Meist seid ihr klein und habt viel zu große, marinefarbene DB-Jacken an. Eure Erscheinung wir durch ein viel zu grobes, riesiges Funkgerät in euren zierlichen Händen komplettiert. Eure Durchsagen sind höflich und folgen einem strikten Betonungsmuster. Meist sind sie dann doch von zu langen Pausen durchzogen. Die Abschlussphrase am Ende jeder Reise habt ihr gottseidank von trävelink zu tschuuusing geändert. Euer Kundenumgang hat eine Bandbreite von aufgesetzt freundlich bis grausam zickig und abweisend. Die Ticketprüfgeräte sind stets einen Tick zu groß für die Gesäßtasche. In der 1.Klasse fragt ihr aber leider stets einmal zu oft nach, ob man nicht eine Zeitung oder ein Snack wolle. Und mit dem Kaffeetablett wird sich jedes Mal einmal zu oft durch die Abteile gezwängt, bis die heiße Brühe den grauen Boden verziert. Seid ihr Verkaufsroboter? Vielleicht. Ein bisschen. Besonders an der Telefonhotline. Für jeden einzelnen von euch ist es nicht der langersehnte Umzug in die neue Stadt, der Besuch bei einer Freundin, die man viel zu lange nicht mehr gesehen hat oder die Heimfahrt zu Weihnachten. Bei euch lautet es: Abfahrt- Uhrzeit- Ankunft- Bezahlung. Doch ohne euch marineblaue und rotbefleckten Menschen auf den Bahnhöfen und in den Zügen würde etwas fehlen. Der Auskunft-erfragen-ohne-Zickerei-oder-Missverständnis-mit-Höflichkeitsfloskeln-Parkour zum Beispiel. Vielen Dank liebe DB-Mitarbeiter, dass ihr so seid wie ihr seid und dass ihr das Sozialverhalten eurer Kunden schult!

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