Sag mal, Hanna, bist du eigentlich bescheuert, dass du so gerne Bahn fährst?

Sag mal, Hanna, bist du eigentlich bescheuert, dass du so gerne Bahn fährst?

Du solltest doch wissen (wenn du WIRKLICH meine Einträge gelesen hättest), dass ich keineswegs immer gerne Bahn fahre. Teilweise hasse ich es sogar. Grundsätzlich ist es zu kalt oder zu warm, irgendein Mitfahrer riecht immer seltsam und meistens läuft dir nicht eine Topstory über den Weg. Meistens sitze ich mehr oder weniger genervt in meinem Sitz und warte auf meine Haltestelle. In der Realität wäre ich die erste, die sich eine Beam-Maschine zulegen würde.

Dann formuliere ich die Frage um: Ich kenne keinen anderen Menschen, der zugibt, das Bahnfahren zumindest manchmal zu lieben. Warum ist das bei dir anders?

Ich frage mich, wieso kein anderer so denken soll. In der Bahn wird man dazu gezwungen, mal nichts zu tun außer dasitzen. Sonst rennt man den ganzen Tag lang nur rum und endlich hält man einfach mal seine Klappe. Ich liebe zum Beispiel besonders längere Strecken. Endlich habe ich mal Zeit ein tolles Buch zu lesen. Oder da kann man toll schlafen. Mit gestelltem Handywecker, versteht sich.  Ich habe schon einige Male meine Haltestelle verschlafen.

Wirklich?

Aber glücklicherweise nur in der Straßenbahn und ich habs jedes Mal bei der nächsten Haltestelle gemerkt. Da musste ich dann nur drei Minuten länger laufen. Ich kenne aber jemanden, der plötzlich 300km weiter als geplant aufgewacht ist. Seitdem ich das gehört habe, habe ich fast schon Angst in der Bahn einzuschlafen. Na ja, beim Schwarzfahren nach Hause hätte ich dann wenigstens etwas zu schreiben.

Zurück zum Thema, wir sind gerade in der S-Bahn nach Frankfurt. Hasst du oder liebst du diese Fahrt?

Erst hab ich sie gehasst, weil ich in letzter Zeit viel zu oft Bahnfahren muss. Aber hey, ich interviewe mich selbst, das ist doch mal ein Highlight.

 So kann eine Geschichte eben auch mal laufen. Meistens erlebst du ja schon ganz schön viel unterwegs. Aber mal ehrlich: Davon muss doch vieles erfunden sein, oder?

Nein. Ehrlich nicht! Bis jetzt habe ich noch nichts erfunden, alles ist wirklich passiert. Natürlich sind manche Geschichten eher symbolisch, zum Beispiel habe ich einmal erzählt, wie mich ein Wort auf eine Reise mitnimmt. Das ist natürlich Quatsch, mich hat da nicht ein geschriebenes Wort am Ärmel gepackt und mitgezerrt. Außerdem gibt’s ja noch die dichterische Freiheit, von der nehme ich manchmal auch Gebrauch. Oft aber sogar gekennzeichnet mit Sätzen wie „Ich stelle mir vor, wie…“

In einem Beitrag erzählst du von deinem Stalker. Da muss doch was nur symbolisch gewesen sein, oder?

Das wurde ich sogar oft gefragt. Es ist tatsächlich die Geschichte mit der meisten Resonanz. Es gibt da eine Stelle, an der er mit der Hand an meiner Tür scharrt. Viele konnten sich nicht vorstellen, dass das tatsächlich jemand macht, aber leider ist alles genau so passiert.

Keine wünscht dir weitere Stalker oder dass du auch nur in der Bahn einschläfst und in Brüssel erst wieder aufwachst. Aber was kommt denn jetzt als nächstes?

Ach, ich würde ganz gerne mal in Brüssel aufwachen! Nein, ernsthaft, ich hab keine Ahnung. Selten habe ich wirklich einen Einfluss auf meine Geschichten. Ich bin natürlich immer davon abhängig, was mir eigentlich passiert. Dann schreibt sich so ein Eintrag auch oft einfach von selbst und obwohl ich anfangs einen Plan hatte, lande ich plötzlich wo ganz anders. Ich persönlich fand die Fortsetzungsstory mit Bernd und Simone interessant, aber die ist jetzt anscheinend leider zu Ende. Soetwas würde ich mir wieder wünschen.

Hanna, die Journalistin, traf sich mit Hanna, der Bloggerin, und sie fuhren zusammen mit der S-Bahn von Darmstadt nach Frankfurt. Sie teilten sich einen Coffee to Go.

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10 Gedanken zu “Sag mal, Hanna, bist du eigentlich bescheuert, dass du so gerne Bahn fährst?

  1. Du Verrückte. Außerdem kenne ich sogar sehr viele Leute, die (hin und wieder) gerne Zug, Bus und Bahn fahren! Also falls du da mal jemandem ’ne Geschichte enlocken willst…

  2. Mir gefällt besonders die Stelle, an der du beschreibst, warum dir Bahnfahren trotz aller Widrigkeiten so gefällt. Und es gefällt mir, weil es mir oft ebenso geht. Zum „Stillsitzen“ gezwungen. Wunderbares Mittel gegen Stress… Was dir vielleicht ein bisschen Sorge bereiten sollte, ist die Sache mit derPersönlichkeitsspaltung…

    1. Ich musste so lachen, als ich das mit der Persönlichkeitsspaltung gelesen habe! Och, da bin ich zuversichtlich. Ich bin so viel, da kann ich auch einmal zwei Dinge auf einmal sein.

  3. Gerade im ÖPNV begegnet man oft Personen, die in Gesprächen mit sich selbst vertieft sind. Jetzt weiß ich auch mal, worüber ;-)

    Ich lese hier als Pendler zwischen Darmstadt und Frankfurt sehr gerne!

    1. Oh je, jetzt hab ich mich wohl als Selbstgespräche führende Irre geoutet! Aber hey, so ist jede Bahnfahrt ereignisreicher, weil man jemanden zum Reden hat.

      Das freut mich sehr. Vielleicht fährt man sich ja mal über den Weg!

  4. Ein wundervolles Blog über Erlebnisse mit der Bahn. Die Beiträge und Blogaufmachung… erfrischend! Fand den Weg hierher über den Blog von Frl. Krise. 1989-1995 pendelte ich oft die Strecke über Leipzig – FFM nach Rüsselsheim zu Verwandtenbesuchen. Heute nahezu täglich im Nahverkehr zur Arbeit. Ich hoffe man liest sich öfters

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