Die eine diese jene Nacht

Ich möchte auf den Straßenbahnschienen tanzen, die Laterne umarmen und ich glaube, das wird die Nacht. Wir laufen an der Haltestelle vorbei, die Nacht ist warm genug. Zwei Stunden später sitze ich genau an dieser Haltestelle, warte auf die Bahn und bin davon gefrustet, dass es absolut nicht die Nacht ist. Neben mir wird geredet, weshalb es nun nicht die Nacht war, was überhaupt die Nacht ausmacht und die Nacht die Nacht die Nacht die Nacht. Ich rede nicht, gefrustet rede ich nicht. Ich fruste in mich hinein. Stattdessen blende ich das Gerede aus und starre auf die Bahnschienen, die wir vor kurzem noch lachend überquert hatten. Neben mir sitzt ein junger Mann mit wasserfester Weste und grault seinen Hund, dieser lässt genüsslich seine Zunge aus seinem Maul hängen. Neidisch schaue ich zu, wie er sich fest gegen die Hand drückt. Er blinzelt mir zu, er braucht nicht die Nacht. Sein stumpfes Fell hat die Farbe von Karamell, sein eines Auge tränt und ist entzündet. Trotzdem ist er der glücklichste Hund und neben ihm sitzend bin ich plötzlich das glücklichste Mädchen. Während der Bahnfahrt lasse ich ihn nicht aus den Augen und beim Aussteigen sage ich im Stillen „Auf Wiedersehen“. Er blinzelt mir zu und ich stolpere in die Nacht hinaus.

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