Das Zitroneneis

Louisa Trübner sitzt mir gegenüber und vor ihr steht ein frischer Minztee. Wasserdampf steigt auf und sie rührt die Minzblätter von einer Tassenseite zur nächsten. Dabei schaut sie nach unten und ich sehe ihr Augen nicht. Trotzdem erkenne ich an ihrem kleinen Lächeln, dass sie mir etwas erzählen will.
Wir sitzen in dem Café, welches mehr oder weniger in der Mitte zwischen unseren Wohnungen liegt. Wir haben uns zum Schreiben verabredet, aber reden lieber über Momente und den Minztee. Gut schmeckt er, frisch, aber schwächer als erwartet. Die Momente sind überraschend, sehr klein und schnell zu übersehen, aber wunderschön.
„Ich lief in den Bahnhof hinein und mein Blick huschte über Gesichter und Schuhe. Ein Mann kam mir entgegen. Er sah förmlich und professionell aus. Sein Anzug war dunkel, sein Gang war zielstrebig. Zuerst sah ich nur seine Beine, aber als er näher kam, sah ich, dass er ein Zitroneneis in der Hand hatte. Er aß es genießend und ich konnte nicht aufhören hinzuschauen. Zwei Personen prallten aufeinander, der Geschäftsmann und der private Mensch, der einfach mal so Lust auf Zitroneneis hat.“ Die Geschichte bleibt hängen, ich sehe uns für immer in dem Café sitzen, unsere Augen leuchten.

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