Aufgeschnappt oder vergessen

Ein Gespräch hinter mir in der Straßenbahn zum Hauptbahnhof in Darmstadt.
Eine weibliche, piepsige Stimme: „Am Anfang, als ich euch kennengelernt habe, dachte ich, ihr seid schon viel älter.“
Gekicher von zwei männlichen Stimmen: „Wieso das denn?“
Die weibliche Stimme wieder: „Weil ihr schon so SAU ALT ausseht. Ich dachte, ihr seid sogar schon Anfang 20.“

Beim Warten an einer Haltestelle in Darmstadt. Ein altes Ehepaar sitzt neben mir. Auf der Straßenseite gegenüber geht eine grauhaarige, rundliche Frau in einem weiten T-Shirt.
Die schnarrige Stimme der alten Frau: „So ein T-Shirt sollte man einfach nicht anziehen, wenn man so dick ist! Da sieht man ja den dicken Bauch, die dicken Arme und überall diese Wülste! Nicht mal ich ziehe so ein T-Shirt an!“
Ich schaue zu ihr rüber. Sie hat einen dicken Blazer an, der sämtliche ihrer Rundungen verdeckt. Es ist neun Uhr morgens und es sind schon fast 30°C.

Oft kommt mir im Vorbeihuschen eine Idee. Wenn ich nicht aufpasse, haut sie ab und ich trage nur noch den Geschmack der Idee mit mir herum. Vor Angst davor mache ich mir manchmal irgendwo schnell Notizen, die mir dann aber manchmal später nicht mehr viel sagen. Das hier ist so eine Notiz. In Erinnung an all meine vergessenen Ideen:
Mensch an Mensch, dicht aneinandergedrängt ignoriert man, dass man dem anderen viel zu Nahe ist. Von einem zum anderen Ende beäugen sich zwei Menschen durch die hohen Wellen hinweg. Selbst als das Meer zwischen ihnen auf den Bahnsteig flutet, sitzen sie nur da und schauen.

Manche Artikel werden einfach nicht fertig. Nach einer Zeit verliere ich manchmal das Gefühl für sie. Obwohl sie zum Teil schon fast fertig sind. Das hier ist so einer vom letzten Spätsommer:
Mitten im Ausland, in Baden-Württemberg, stehe ich alleine am Bahnhof. Zum ersten Mal alleine seit fünf Wochen. Ich muss noch eine Stunde auf meinen Zug warten. Ich lasse mich auf eine Metallbank sinken und lehne mich an meinen Rucksack. Es ist gerade mal Mittag, aber ich kämpfe schon mit meiner Müdigkeit. Ich war werben. Eine Definition von „Werben“: Ein Zustand von Dauermüdigkeit, Red Bull und übertriebene High Fives, um sich anzufeuern. Das [Und hier endet mein Entwurf.]
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