Im Zug mit Brad Pitt

Brad Pitt
Brad Pitt läd mich zum Kaffee ein // flickr: Barbara.Doduk

Ich sitze im Zug, fest gegen den Sitz gedrückt, und der Regen trommelt nervös gegen das Fenster. Es setzt sich jemand neben mich und ich brumme leise genervt, denn ich wollte diese Zugfahrt eigentlich nicht in Gesellschaft verbringen. Anscheinend habe ich unabsichtlich etwas zu laut gebrummt, denn völlig überraschend brummt derjenige neben mir zurück: „Brummlgrumml!“ Ich schaue die Person irritiert an, wobei sich unsere Blicke treffen und mir rutscht augenblicklich das Herz in die Hose. Neben mir sitzt Brad Pitt und sofort hasse ich meine beste Freundin, die mich noch überredet hat, dass ich meine olle Jogginghose zum Zugfahren anziehen soll, die zwar unglaublich bequem ist, aber meinen Po auch zu einem unglaublich hängendem Etwas macht.

In diesem Moment verliere ich die Gewalt über meine Muskulatur und kippe meinen Kaffee über Brads Hose und werfe das Leberwurstbrot, dass ich gerade essen wollte, noch obendrauf. Das Gute so ist, dass wir jetzt beide nach Leberwurst stinken, ich aus dem Mund und er im Schritt. Jetzt starrt er mich irritiert an und mein Gesicht zuckt wild, aber kein Wort der in meinem Hirn geformten Entschuldigungen, verlässt meinen Mund.  Stattdessen strecke ich langsam meine Hand nach dem Brot aus, nehme es mit einem entschuldigenden Lächeln zurück und beiße (hoffentlich) grazil einen winzigen Bissen ab.

Er schaut mich bewundernd an, zeigt auf das Leberwurstbrot und fragt lächelnd „May I?“. Vor Begeisterung ein paar Bissen aushustend reiche ich ihm die Stulle und bei seinem nächsten Satz muss ich endgültig röchelnd Husten: „I’d like to buy you a new coffee, or do you still want this one on my pants?“ Während ich mich mit meinem Hustenanfall abmühe, nickt er nur verständnisvoll und macht sich bereits auf den Weg in den Speisewagen.

Dort setze ich mich kurzerhand keck auf seinen Schoß, aber nach einem strengen Blick von ihm dann doch lieber auf den Platz gegenüber von ihm. Ich bestelle geschwind zwei Kaffee mit Schuss und versinke kurz in einem Tagtraum, in dem ich Brad abfülle und auf dem Tisch in Speisewagen über ihn herfalle. Als er dann aber seinen Gehwagen neben den Tisch abstellt, frage ich mich doch, wie alt er mittlerweile eigentlich ist und ich bedauere, dass ich nicht viel eher Zac Efron oder Robert Pattinson im Zug getroffen habe. Ich heule kurz auf, beschließe dann aber das beste aus der Situation zu machen, proste Brad zu und trinke den Kaffee auf ex aus.

Um meine Begegnung mit Brad Pitt und meine unvegetarische Lust auf Leberwurstbrot zu verstehen, muss ich etwas weiter ausholen. Vor einiger Zeit schrieb ich eine Geschichte zusammen mit Caro Lobig, die von einem Zugdach schließlich hinaus in den wilden Jungle führte. Es geht nach dem Prinzip: Jeder schreibt einen Satz und darf nicht beeinflussen, was der andere schreibt. Dieses Schreibprinzip geht auf eine lange Tradition aus meinen Kindheitstagen zurück.

Mit Mairen Tomczak schrieb ich solche Geschichten schon auf Windows 95. Nachdem ich sie mit Caro eine schrieb, wollte ich es mir nicht nehmen lassen, es auch mit ihr zu tun. Der erste Satz ist übrigens der Gleiche. Die Geschichte ging noch weiter. Sie endete mit einer Sprite im Oberschenkel der Protagonistin und wurde etwas skurril. Jetzt kann man sich das Ende selbst denken. Ein Kaffee mit Brad Pitt reicht ja auch schon. Ach ja: Könnt ihr erkennen, welche Sätze von mir kommen und welche von Mairen?

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3 Gedanken zu “Im Zug mit Brad Pitt

  1. Haha, die hatte ich ja schon völlig vergessen… Schön, sie zu lesen! =) Und ich weiß genau, wer was geschrieben hat-aber ich glaube, das zählt nicht…

  2. Keine Ahnung wer was geschriebem hat – Ob das nur gut ist weiß ich nicht… Jedenfalls habe ich bis zu den letzten beiden Absätzen gedacht: „Das ist gar nicht Hannas Stil“
    Insbesondere bei diesem Satz übrigens: „Als er dann aber seinen Gehwagen neben den Tisch abstellt, frage ich mich doch, wie alt er mittlerweile eigentlich ist und ich bedauere, dass ich nicht viel eher Zac Efron oder Robert Pattinson im Zug getroffen habe.“ Wohin gegen dieser Satz sehr nach Hanna klingt: „Ich heule kurz auf, beschließe dann aber das beste aus der Situation zu machen, proste Brad zu und trinke den Kaffee auf ex aus.“
    Ich kann natürlich vollkommen falsch liegen und das alles ist einfach nur Produkt des abgefahrenen Spiels.

    So, jetzt bin ich auf die Auflösung gespannt.

    1. Ich muss zugeben, dass ich unsicher war. Ich musste in den Artikel selbst reingehen und nachschauen. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass du Recht hast. Habe auch nachgezählt, weil der erste Satz natürlich von mir stammt. Also du hast Recht, aber ich hoffe, ich sage jetzt nichts falsches! Aber natürlich bleibt ein Schreibstil bei einem solchen Spiel ziemlich auf der Strecke.

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