Willkommen zurück im Leben einer Pendlerin

Black Keys @ Music Midtown
Mit dem Rücken in Zielrichtung fahre ich aus Darmstadt raus. Eine Fahrt, die sich ab jetzt viele Tage in der Woche wiederholen wird. Neben mir sitzen Menschen mit schicken Mänteln und eine dünne Mütze für die morgendliche Frische. Die Beine überschlagen und in Gedanken schon auf ihren Bürostühlen sitzend. Im entgegenkommenden Zug sitzen betrunkene Menschen, die mit verrutschten Kleidern auf eine lange Nacht zurückblicken.

Dieser Weg wird Teil deines Lebens, denke ich mir. Genau jetzt ist der Moment, in dem dein Leben eine Grundsteinrenovierung macht. Ich denke an kerzenerhellte Abende in meiner Lieblingskneipe unter der Woche, ein Saxophon in meinem Ohr. Ich denke an ein „Guten Morgen“ zur Mittagszeit von meiner Mitbewohnerin, gefolgt mit der Frage, welcher Tag heute sei. Ich denke an lange Tage bei einer Freundin, wir frühstücken bis zum Abendessen und philosophieren im Scneidersitz bis es wieder dunkel wird.

Oft kriege ich solche Kehrtwendungen erst viel zu spät mit. Auszug von Zuhause, Studiumsbeginn, die perfekte Kneipe, Trennungen, ein gutes Buch. Und zum ersten Mal ist mir der Moment der Veränderung bewusst. Das muss ich ausnutzen!, denke ich euphorisch. Wofür das gut sein muss, weiß ich noch nicht, aber das muss ausgenutzt werden.  Ich mache ein The Black Keys-Lied nach dem anderen weiter, viel zu viele schnelle Lieder. Ich brauche viel mehr Cat Power und Norah Jones für diese langen Fahrten zu meinen neuen Job. Ich höre nur noch ruhige Lieder zum Aufwachen.

Am Ziel angekommen, strömen Menschen mit klackernden Absätzen aus dem Zug, ich auch. Mit schicken Mantel und dünner Mütze auf dem Kopf laufe ich zum Bahnhofsausgang. Heute zum ersten Mal, bald werde ich jedes vorbeihuschende Haus kennen. Willkommen zurück im Leben einer Pendlerin. Während ich noch nervös an meinen neuen Job denke, endet die langsame Cat Power und krachende Gitarrenklänge erklingen. Mhh. The Black Keys sind doch gar nicht so schlecht für den Morgen. Plötzlich fällt mir auf, dass ich keine Ahnung habe, welcher Tag es ist. Und lachend und mit schnellen Schritten laufe ich Richtung Grundsteinrenovierung.

Foto: Mark Runyon // ConcertTour.org

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2 Gedanken zu “Willkommen zurück im Leben einer Pendlerin

  1. > Willkommen zurück im Leben einer Pendlerin.

    Ja willkommen zurück. Manchmal nervt es und Umziehen oder Jobwechsel eine attraktive Alternative, meistens ist die räumliche Trennung zwischen Arbeit und daheim aber ganz praktisch: Zeit genug, einen anderen Hut aufzusetzen und Gedanken am anderen Bahnhof zu lassen.

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