Frühstück mit Achterbahn

janosch und max

„Warte“, sagte Janosch und wischte auf seinem Smartphone herum. „Ich zeige dir jetzt mal das Logo von unserem neuen Projekt.“ Er reichte mir sein Smartphone und nach nur einem Blick machte sich Verwunderung auf meinem Gesicht breit. „Genau so habe ich auch reagiert“, sagte er und lehnte sich zurück.
Wir saßen im Extrablatt und warteten auf unser Frühstück. Janosch hatte ich vor einigen Monaten zu seinem Projekt 18x umsteigen interviewt. Er war innerhalb zwei Tagen mit einem Kamerateam und einem weiteren Kollegen durch ganz Deutschland gefahren. Jetzt hatte sich ihr Organisationsteam etwas neues einfallen lassen. „Was genau, weiß noch niemand. Sie lassen nur lauter Hinweise fallen, um uns Schiss zu machen. Die meisten stimmen nicht“, hatte er gesagt.
Jetzt saßen wir beim Frühstück zusammen und ich durfte endlich das Logo sehen: 18x anschnallen.

Seine Augen glänzten, als er sofort beginnt mir seine Vermutungen aufzuzählen: „Ich dachte sofort an Achterbahn fahren.“ Ich unterbrach ihn: „Aber das wäre ja langweilig. 18x Achterbahn fahren… Das würde sich keiner anschauen.“ Janosch machte „Mh“ und fuhr dann fort: „Das Offensichtlichste ist natürlich das Fliegen. Vor allem, weil in unserem letzten Teil ein Flugzeug beim Starten als Hinweis zu hören ist.“ Unsere Ideen werden immer fantastischer: Bungeejumping, Wasserski, Fallschirmspringen, Kettcar fahren, 18x immer was anderes. Schließlich sagte er ernüchtert: „Richtig langweilig wäre es natürlich, wenn ich mich einfach nur im Auto 18x an- und abschnallen müsste.“

Dann lenkte uns der Kellner ab, der auf beiden Armen unser Essen trug. Es war dramatisch auf Etageren angerichtet. Das Projekt war nun vergessen, wir waren zu ausgehungert. „Ich liebe Frühstück“, sagte ich und schnitt dem stumpfen Messer ungeduldig mein Brötchen auf. „Ich auch! Ohne Frühstück bin ich echt schlecht drauf.“ Ich gestand ihm, dass ich schon einen Chocolate-Cookie vor dem Losfahren gegessen hatte. Er musste lachen, denn er hatte auch schon einen Tee getrunken. Wir aßen stillschweigend oder sprachen von Schauspielern, bei denen wir kaum Gemeinsamkeiten fanden. Ich mochte Matt Damon und Milla Jovovich, er eher Eva Mendes und Scarlett Johansson.

„Sie wollten von uns eine Kopie vom Führerschein und Angaben zum Kopfumfang und zur Kragenweite“, fand Janosch zurück zum Thema. „Das klingt ja schon etwas nach Helm.“ Ich wollte wissen, ob sich sein Kollege Max, mit dem er das Projekt zusammen durchstehen wird, auch solche Gedanken macht. „Eher noch mehr! Eigentlich ist er nach außen ja immer der Coole. Aber er hat echt Schiss, dass die beiden Organisierenden zu viel Joko & Klaas geguckt haben.“ Er erzählte, dass er nächsten Samstag ihn besuchen würde: „Mal sehen, was er da zu dem Projekt sagt.“ Ich nickte und konnte mir Maxens Angst vorstellen. Wahrscheinlich hätte ich auch welche. „Du kannst ihn dann ja etwas beruhigen“, sagte ich friedlich und Janosch grinste teuflisch: „Ich werde ihm eher noch mehr Schiss machen!“

Auf Janoschs Teller lag ein Croissant und er erklärte mir sein Dilemma: „Ich will es hier jetzt nicht aufschneiden, denn das krümelt immer so.“ Richtig unglücklich schien er. Das Croissant vorsichtig in die Hand nehmend sagte er: „Das krümelt ja jetzt schon so.“ Plötzlich fiel ihm wieder auf, dass er es schon angefangen hatte, aufzuschneiden. Ich musste laut lachen und ich dachte an das Interview mit ihm vor einigen Monaten. Er hatte mir erzählt, dass sie sehr unvorbereitet aufgebrochen waren. Er hatte nur eine Banane dabeigehabt. „Egal, was dieses Projekt nun wird: Dieses Mal kannst du dich wenigstens etwas besser darauf vorbereiten.“ Er schaute von seinem Croissant auf: „Was meinst du?“ – „Ein Kartenspiel zum Beispiel. Ich kann mir vorstellen, dass es sehr langweilig sein kann, wenn ihr lange unterwegs sein solltet.“ Er gab mir recht: „Nach einer Weile denkst du nur noch, dass du heimwillst. Aber am Anfang – “ und jetzt leuchteten Janoschs Augen wieder – „Anfangs standen wir total unter Strom am Bahnhof und wollten endlich losfahren!“

Was das Projekt tatsächlich sein wird, erfahre ich kurz danach. Janosch und Max brechen am 17. August mit 18x anschnallen auf.

Foto: Panaroma Sights/Kopfbild
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