Mit einer Poolnudel gegen wilde Stiere

18x Anschnallen

Vor langer Zeit führte ich ein drittes Interview mit Janosch Leuffen. Das erste Mal, weil er so abenteuerlich (oder verrückt) war, dass er mit 18x Umsteigen innerhalb von 48 Stunden durch Deutschland mit der Bahn fuhr. Das nächste Mal, weil ein zweites Projekt geplant war. Mitte August machten sich Janosch und sein Kollege Max Schwuchow wieder auf dem Weg. Und nur wenige Zeit danach bekam ich mein Interview. Bei meiner Frage, wann das Material denn fertig geschnitten sei, bekam ich ein Schnauben als Antwort: „Irgendwann nächstes Jahr?“ Das entmutigte mich den Artikel überhaupt zu schreiben.

Dann verging Zeit. Und Janosch horchte mal nach: „Was ist eigentlich mit meinem Interview?“ und ich schimpfte mich innerlich. Trotzdem verging noch einmal Zeit. Jetzt sitze ich krank geschrieben Zuhause und nachdem ich alle möglichen Facebook-Nachrichten, E-Mails und Briefe beantwortet habe, fiel mir ein Punkt ganz oben auf meiner To Do-Liste ein: Das Interview mit Janosch in einen Artikel verwandeln. Also setzte ich mich an den Laptop.

Ich schloss die Augen und versetzte mich zurück an den Abend Mitte August. Ich saß in der Küche in meinem Lehnstuhl, eine senffarbene Decke um meine Schultern gelegt. Janosch war auf meinem Bildschirm und schaute mich müde an. „Und, wie war’s?“, fragte ich und er schüttelte den Kopf: „Grauenvoll!“. Das könne er sicher nicht so meinen, erwiderte ich, aber er bestand darauf.

„Es hatte nichts mit meinen Vermutungen zu tun“, begann er. Vor Antritt des Projektes war ihm nur der Titel verraten worden: 18x Anschnallen. „Also hatte es nichts mit 18 verschiedenen Achterbahnfahrten zu tun?“ Nein, das hatte es nicht. Dafür mit einem VW-Bus und Hippie-Outfits.

Seine erste Hürde war eine Zugfahrt mit einer Poolnudel von Hamburg, wo er zur Zeit ein Praktikum machte, nach Köln, dem Abfahrtsort. Per Umfrage hatten ihre Fans auf Facebook abgestimmt, mit welchem unsinnigen Gegenstand sie reisen mussten. Gut, eine Poolnudel, dachte ich. Das ist nicht so schlimm. Fand er schon. Immerhin sei sie schwer zu besorgen und sehr unhandlich gewesen. Ich fragte mich, ob es auch gezählt hätte, sie in kleine Stücke zu schneiden.

Am Abfahrtsort angekommen wartete dann der VW-Bus. „Wir mussten uns als Hippies verkleiden, was bei Max mit seinen langen Haaren sogar noch irgendwie gut aussah. Bei mir wirkte es leider nur dämlich.“ Sie bekamen das Endziel nicht verraten und mussten bei jedem Stopp Aufgaben erfüllen: „Die darf ich leider nicht preisgeben. Das sehen alle erst, wenn wir die Folgen hochladen.“

Er war der einzige Fahrer, denn die Versicherung ließ nur über 25-Jährige ans Steuer. Ich fragte ihn, ob es anstrengend war: „Natürlich war es das. Vor allem, wenn sonst alle pennen konnten. Einmal haben alle geschlafen und keiner hätte gemerkt, wenn ich einen komplett anderen Weg eingeschlagen wäre. Ich hätte sonst wohin waren können.“ Ich stelle mir vor, wie er übermüdet am Steuer sitzt, Max schläft mit offenem Mund neben ihm und hinten schnarcht das restliche Team. Der Himmel ist rot und er ist den ganzen Tag lang gefahren. Er grinst böse und biegt spontan ab. Fast fährt er dabei einen Wegweiser um: „Zum Strand“.

„Aber ich hab’s nicht getan, sonst hätte ich am Ende wahrscheinlich noch mehr fahren müssen.“ sagte er und riss mich aus meinem Tagtraum. „So einen Roadtrip in einem VW-Bus stelle ich mir aber echt gut vor.“ Er nickte: „Es war schon echt geil. Wenn man die Aufgaben, die Hippie-Klamotten und die Poolnudel weglässt.“ Ich dachte an Aufgaben mit Schlamm, Spinnen und wilden Stieren und hoffte, dass sie weniger schlimm davon kamen.

„Hattest du denn wenigstens mehr Proviant als beim letzten Mal dabei?“ Er überlegte: „Ich hatte eine Banane dabei.“ Ich musste lachen: „Die hattest du bei 18x Umsteigen auch schon dabei!“ Er erklärte mir, dass Bananen großartiges Proviant sei. Sie machen satt, sind gesund und machen stark. Ah ja. Ich merkte mir, dass ich mir auf die nächste Reise ebenfalls eine einpacken wollte. Als eine Hommage an Janosch.

Es gibt kein Gewähr an die Richtigkeit meiner Erinnerungen. Wenn ihr die Projekte der Jungs interessant findet, solltet ihr die dazugehörige Facebookseite auschecken. Das Filmmaterial sollte irgendwann noch online gehen. Vielleicht sage ich euch Bescheid!

https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=hxEW8ce1m5Q

Video: 18xAnschnallen
Foto: 18x Anschnallen

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