Die perfekte Frau

Perfection, Cambridge Ball 2011Ganz ehrlich: Es ist zum Kotzen, diese Aufzählungen, was für einen Mann eine perfekte Frau ausmacht. Dabei spreche ich hier nicht von den Putzfrauen, Bierbringern und Sexbombe in einem, die Liste an sich gefällt mir nicht. Denn ist eine perfekte Frau nicht eine glückliche?

Also muss es heißen: Wie wird eine Frau perfekt für sich selbst? Ein Versuch der Diskussion über schmale Hüften, mittelgroße Brüste und lange Beine einen Strich durch die Rechnung zu machen.

1. Sicherheit: Geldsorgen machen es schwer, über Glück nachzudenken und sich das nötige Lächeln abzuringen. Das geht über die nötigen Existenzgüter hinaus (welche für mich Dach über den Kopf, Schulgeld, Kleidung und Essen ist), denn man fühlt sich erst wohl, wenn man weiß, dass der morgendliche Kaffee auf dem Weg zur Arbeit bezahlbar ist, wenn irgendwann auch mal ein iPad drin ist, obwohl man diesen nicht braucht. Sicherheit geht aber über Geld hinaus. Der Punkt bedeutet auch, dass man weiß, wen man im Notfall anrufen kann. Sei es die Mutter, wenn man den Keller überschwemmt hat, oder die gute Freundin, die einem nach einem miesen Tag einen Whiskey-Cola überreicht.

2. Paradoxerweise die Unsicherheit: Die Überraschungen im Leben, die Würze im Alltag, etwas aus der Bahn werfendes. Von winzigen Dingen wie das Lächeln eines hübschen Mannes auf der Straße bis hin zu einer spontanen Reise, einer Beförderung, einer Liebeserklärung, eine atemberaubende Aussicht, den Mut im Kletterpark von einem Baumwipfel zu springen.

3. Wünsche: Das typische „Was will ich“? Sich selbst kennen ist schwer, fast schon unmöglich. Doch es reicht ein minimales Kennen, eine kleine Wiedererkennung in den eigenen Taten. Aus kleinen Schritten folgen große Erkenntnisse, das gewünschte Bauchgefühl, denn Selektion ist wichtig. Will ich wirklich nach Paris, oder will ich nur, weil alle wollen? Will ich wirklich reich werden, berühmt, wunderschön, in Größe 36 reinpassen? So vieles ist umrelevant und der Schlüssel ist wohl es vorher zu wissen. Oder zu hoffen, dass man es rückgängig machen kann.

4. Wachstum: Etwas hat nur Sinn, wenn es wächst. Sei es eine Pflanze, ein Held in einem Buch, die Vokabeln in einer fremden Sprache oder die Fortschritte im eigenen Leben. Daher braucht man sichtbaren Wachstum, etwas, woran man merkt, dass die eigenen Handlungen sinnvoll sind. Und wenn es nur ein kleines Erfolgserlebnis ist wie in Frankreich nach dem Weg fragen können.

5. Moral: Seinen eigenen Regeln sollte man treu bleiben, denn so mag man sich. Allerdings sollte man nicht jeder blöden Regel hinterherlaufen, denn von Übermoral (wenn es dieses Wort gibt) bekommt man einen Putzfimmel und nervöse Flecken.

6. Menschliche Bindungen: Während die meisten Punkte von einem selbst abhängen, kann man für seine sozialen Kontakte meistens nicht viel. Aber die restlichen neun Punkte beeinflussen diese sehr. Zum Glück.

7. Positives Denken: Klingt grausam, denn jeder will heulen, fluchen und wüten dürfen. Darf man, so lange man auch wieder damit aufhört.

8. Vertrauen: In seine Fähigkeiten, Erfahrungen, Wünsche, Wege, Meinungen, liebsten Menschen und die Zukunft.

9. Selbstreflexion: Alles ändert sich, Wünsche, Ziele, Wege, Regeln. So lange man merkt, dass man falsch liegt, kann nichts schief gehen. Fehler sind schließlich erlaubt. Nur entschuldigen muss man sich können – bei sich selbst und bei anderen.

10. Unperfektion: Tada, das Highlight in meiner Liste. Alles andere wäre doch langweilig! Und gruselig. Mit der perfekten Frau an der Seite würde sich jede Person wohl in Grund und Boden schämen, bei jedem eigenen Pickel, Schluckauf oder Gläschen Whiskey nach einem miesen Tag. Mut zur Lücke!

Übrigens lasse ich das Aussehen bewusst umkommentiert. Denn ist die schönste Frau nicht diejenige, die einen mit dem glücklichsten Lächeln anstrahlt?

Übrigens bin ich kein Experte, schließlich bin ich nicht perfekt. Meine Liste darf also übertrieben, voller Lücken oder gar völlig falsch sein. Ich wollte nur mal meckern. Über all die Menschen, die ihr eigenes Unglück bei den anderen suchen.

Foto: flickr // Andrew Bertram

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