Wie ich in eine Kommune umzog

Lazy CatDie Katze thront über uns, Leo spricht poetisch über Zigaretten. Joscha legt sich ein Kirschkernkissen auf den Kopf, Charles* bringt mir italienische Handbewegungen bei: „This one means I don’t give a fuck.“ Er wedelt mit den Fingern durch seinen Kinnbart. Meine Hand macht seine Bewegung nach und arrogant sage ich: „I don’t give a fuck!“

Seit drei Tagen wohne ich hier nun, in dieser 2er-WG, in der wir nun zeitweise zu viert mit Katze wohnen. Zum ersten Mal sitzen wir in einem Raum. Natürlich aus Zufall, denn so passiert das in großen Familien. Leo war über das Wochenende vermisst, Charles erkundet normalerweise das deutsche Nachtleben. Joscha gammelt schon den ganzen Tag krank und ungeduscht mit Pyjamahose auf dem Sofa, ich kam nassgeregnet von meiner Arbeit nach Hause. (Zwei Mal wurde ich heute nass, beim Hin- und Rückweg, dazwischen fiel kein Regen.)

Diese WG ist mein erster Schritt in meinem Drei-Punkte-Plan: Erstens komme ich für einen Monat bei Joscha unter, dann ziehe ich endlich nach Berlin. Leider (zweitens) werde ich erst wo zur Zwischenmiete wohnen, da meine letztendliche Wohnung bis Anfang September renoviert wird. Endlich kommt danach mein letzter Umzug in ein großes Zimmer mit Balkon und Shisha (Die noch nicht da steht, aber in meinem Kopf schon vorhanden ist – genauso wie die lauen Sommernächte.) Mein Plan ist ein wahres Konstrukt, ein Gebilde gebaut auf wackeligen Streichhölzern.

Charles ist ein Italiener, der gerade innerhalb einer Minute zwei Mal folgendes sagte: „Man, I was so fucking drunk.“ Er versprach mir leckere Pasta zu machen und philosophierte mit mir in der Küche über den Nationalstolz der Amerikaner im Gegensatz zu den der Deutschen. Ich habe nicht verstanden, was er hier tut oder studiert, aber das erscheint auch nicht wichtig.

Ich nenne diese Familie eine Kommune. Hier sind nur Verrückte, also Gleichgesinnte. Anfangs hatte ich Bedenken, da ich nie mit Katze umgezogen war, doch diese macht unseren Wahnsinn perfekt. Sie jagt einen zweiten Falter, die Musik geht aus. Plötzlich beobachten alle die Katze, Leo sagt gebannt: „Dieser Blick…“ Joscha eilt ihr zu Hilfe und schlägt ebenfalls nach dem Falter. Leo holt sein Smartphone hervor und hält es starr auf die Katze. Sie ist die Queen der Kommune, denke ich kichernd und nehme einen großen Schluck meines Mitternachtsbieres. Charles sagt: „She’s at home now“ und meint die Katze. Hach, der erste Schritt.

*Charles, der Italiener, möchte anonym bleiben, er schlug seinen alternativen Namen selbst vor.

Foto: Johanna Kindermann

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