Wie man als Model erfolgreich wird

Unfreundliche Hände ziepen an mir herum, sie stecken mir das Oberteil in den Rock, dann heraus und wieder hinein. Sie können sich fünf Sekunden, bevor ich auf den Laufsteg muss, noch immer nicht entscheiden. Irgendwann muss auch mal Schluss sein. Eine andere Hand schmiert mir einen Lippenstift nach dem anderen auf die Lippen, auch meine Frisur sitzt noch nicht perfekt. Ich seufze. Mein Kopf ist schwer von den falschen, leicht entflammbaren Haaren. Die Leute um mich herum wechseln vorsichtige Blicke. Sie befürchten, ich könnte jederzeit jemanden ohrfeigen und anschließend mit einem Rockstar mit zerrissenen Hosen durchbrennen.

Schließlich ist es soweit, jemand gibt mir einen Klaps auf den Hintern, „husch, husch“ und ich bin draußen auf dem Laufsteg. Ach, bin ich gelangweilt, aber kein Leben besteht eben aus entspannten Fahrradtouren und sonnigen Abenden auf dem Balkon. Also laufe ich leger, sexy und unnahbar an Menschen vorbei, die eifrig Fotos und Notizen machen. Ein paar fallen in Ohnmacht. Ach, immer dieses Fußvolk. Ich unterdrücken ein Gähnen und schwinge meinen Hintern um die Kurve.
Ein wenig später gebe ich eine Pressekonferenz. Eine große Blonde hyperventiliert: „Was sind Ihre Diät-Geheimnisse?“ Langsam nähere ich meinen Kopf dem Mikrophon und hauche: „Nichts essen. Und viel Rum.“ Ein verwundertes Raunen geht durch die Reihen. Einige werfen ihre Snacks weg, die Bananen und Schokoriegel häufen sich unter den Stühlen. Ein Mann mit Frauenstimme fragt: „Wie schaffen Sie es in solchen flachen Schuhen zu laufen?“ Ich antworte besonnen: „Alles Übungssache.“ Die Fragen werden lauter, jeder will etwas von mir. Ich winke ab und flüstere dem Mann mit dunkler Sonnenbrille neben mir etwas ins Ohr. Sofort bestellt er den Hubschrauber, der mich ins Hotel bringen soll.

Mein Fahrrad macht einen Satz, ich bin über einen Riss im Asphalt gedonnert. „Au“, rufe ich, als mein Po wieder auf dem harten Fahrradsitz landet. Ich bin auf dem Weg nach Hause, vorbei am Brandenburger Tor und dem Alex, und über die Spree. Den Kopf schüttelnd bringe ich mein Rad wieder zum Geradefahren. Ich wundere mich über mich selbst: Wo ich auch immer in meinen Tagträumen lande… Und während ich das denke, trifte ich wieder ab. Ich bin kein Model, ich bin Schuhmacher und meine Konkurrenz ist mir dicht auf den Fersen!

P. S.: Diese Geschichte wurde auf einem sonnigen Balkon geschrieben. Dabei aß ich nichts und trug keine Schuhe.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s