10 WÖRTER, EINE GESCHICHTE*

Eine haarige, kleine Spinne krabbelte über seinen Fuß, er wackelte mit den Zehen. Die Spinne blieb stehen und verweilte. Fast schien es ihm, als würde sie ihn angucken, mit ihm sprechen. Doch er halluzinierte viel seit einigen Tagen, er war daran gewöhnt. Wären seine Hände nicht auf dem Rücken zusammengebunden, könnte er das Spinnentier einfach vorsichtig in die Hand nehmen oder beiseite schupsen. Dieses lief nun seine Fußsohle hoch. Er kicherte.

„Was ist?“, unterbrach der dicke Mann, der vor ihm mit einem Buch im Schneidersitz saß, sein lautes Lesen. Zum dritten Mal hatte er dieses Buch schon angefangen. Er las gerne, außerdem wollte er den Gefangenen etwas aufheitern. Es war ein Werk von Anthony Hopkins, andere Bücher gab es auf dem Schiff nicht. Weiterlesen

10 WÖRTER, EINE GESCHICHTE*

„Wunder können dir helfen, das Leben zu genießen“, sagte er und goss sich etwas aus einer fancy Flasche ein. „Was ist das?“, fragte ich und zeigte auf das durchgestylte Getränk. „Bier.“ Und dann erläuterte er, weshalb dieses Bier besonders toll sei. Recycelt, ohne Genmanipulation, vegan, heilig gesprochen und all so etwas. Mir war kalt und hatte keine Lust mehr die Welt von diesem Naseweis erklärt zu bekommen. „Mir ist kalt“, sagte ich und meinte: „Ich will rein.“ Er stellte sich taub, er nimmt immer alles wörtlich. Er findet es blöd, nicht zu sagen, was man will. „Wie kannst du das, was du willst, ungesagt in deinen Worte implizieren und darauf vertrauen, dass andere es verstehen?“ Auch jetzt folgte er seinen Prinzipien: „Es ist Sommer!“ – „Spätsommer“, schwächte ich seine Aussage ab. Weiterlesen

#100happydays – Tag 30

Der Umzug, der mich in meine „finale“ Wohnung bringt, steht an. Die Kisten, aus denen ich in den letzten drei Monaten lebte, sind wieder zugeklebt. Ich weiß nicht mehr, was sich in ihnen befindet. Das auspacken wird interessant. Vielleicht ist alles nur unnützer Kram.

Der Umzug wird grauenvoll. Aus einem vierten in einen sechsten Stock. Doch beim Anblick denke ich daran, dass es bald vorbei ist. Morgen ziehe ich in die Schlacht.

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#100happydays – Tag 26

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Der #100happydays-Moment wird für den Leser enttäuschend sein, doch mich erleichtert er unendlich. Den ganzen Morgen saß ich im Lieblingscafé und bereitete meinen Umzug vor. Nun ist alles geplant, ich muss es nur noch durchführen. Denn dieser letzte Umzug (bedeutet, dass erst einmal keine in nächster Zukunft geplant sind) ist die letzte Hürde. Dann bin ich richtig in Berlin angekommen. Außerdem trank ich heiße Schokolade während der Planung. Das kann doch nur gut sein.