Die Worte, die durch meine Adern fließen

Words everywhereWörter sind immer da, sie verlassen mich nicht. Sie haben auf alles eine Antwort, sie sind stark, sie können die kältesten Menschen umarmen. Sie sind mein Ticket für die Freiheit, wenn ich im tiefsten Verließ gefangen gehalten werde. Sie sind immer da, sie pulsieren unter meiner Haut. Kaum sichtbare Wörter tummeln sich dort, mächtige Wortgewalten paaren sich, Satzfragmente huschen durch meine Adern, ganze Buchreihen flüstern mir ins Ohr. So laut sie sind, so laut bin ich, so verängstigt sie sind, so bin ich es auch. Sie sind ich, ich bin nichts ohne sie. Weiterlesen

Bloggerparade von Clue Writing: Verrückte Augen

Seine Lider zucken und er hält den Kopf gesenkt, ohne seine Umgebung aus den Augen zu lassen. Was ist mit dem los? Wahrscheinlich auch so eine kranke Paranoia, alle Typen haben Paranoia. Vor der Bindung zu Frauen besonders, vor Tumoren im Gehirn, vor Hundekacke auf dem Gehweg.
„Bist du nervös?“, fragt sie und erwidert auf seinen fragenden Blick mit den dicken Augenringen: „Du spielst an deinem Bart herum.“
„Ich mag, wie es klingt“, sagt er und ihr gefällt sein patziger Ton. Er nimmt ihren Arm am Handgelenk und sie muss ihre Kette loslassen, mit der sie gespielt hatte. Er legt ihre Finger auf seine Wange und fährt mit ihnen hinunter bis zum Kinn. Der Bart gibt einen knisternden Widerstand. Sein Mund zuckt verlegen, als er sie los lässt.
„Nein, es klingt wirklich toll“, sagt sie und es ist die Wahrheit. Sie stand schon auf ihn, als er sich setzte und ihr eine winzige Sekunde mit verrückten Augen ansah. Dieser verhuschte Moment hatte ihre Ohren glühen lassen und sie hatte schnell nach ihrer Kette gegriffen, um ihre Nervosität zu überspielen. Jetzt schaut er sie länger an und sie glaubt, ein Lächeln zu sehen. Ein Auto fährt vorbei und er duckt sich noch ein wenig mehr. Weiterlesen

#100happydays – Tag 6

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#100happydays für heute: Abends einfach neben meiner Katze liegen und ruhige Minuten haben. Das Licht war aus und draußen wurde es dunkel.

(Dabei übergehe ich einfach, dass es gestern kein Foto gab. Vielleicht gab es keinen guten Moment? Vielleicht gab es zu viele?)

Schreibaufgabe: Der teekochende Antiheld

Schreibaufgabe: Ein gebrochener Anti-Held soll Tee für seine Mutter kochen. Was gehen ihm für Gedanken durch den Kopf?

Er dachte für einige sich stapelnde Sekunden nichts. Sein Atemzug danach war tief. Dann dachte er wieder an die Frau und deswegen sprang er tatsächlich auf und begann die Teekanne zu suchen. Als die Frau hartnäckig blieb, wurden seine Bewegungen fahrig. Er konnte die Kanne nicht finden, denn er suchte nur für Beobachter, in Gedanken war er auf dem Gehweg neben der mehrspurigen Straße. „Wenn du wüsstest!“, sagte er zu niemand bestimmten. Er war wie ein Stein, der aus dem Fluss herausragt, das Wasser strömte um ihn herum und beachtete ihn nur so weit, dass sie ihm auswichen. Er lachte laut auf, der Strom blieb davon unberührt.„Mein Tee, Schatz, denkst du an ihn?“ Ohne dass er es gemerkt hatte, hatte sich sein Körper vor den Küchenschrank gesetzt. Seine Mutter rief vom Wohnzimmer aus. Er brüllte zurück, als würde er seine Mutter mit einem Stein abwerfen, obwohl er dass Wasser hinter ihr treffen wollte. Sie kam in die Küche und reichte ihm die Teekanne. Sie stand auf dem Regal direkt über ihm. Dazu stellte sie noch den losen Tee und Beutel daneben. Sie befüllte den Wasserkocher und schaltete ihn ein. „Ich mach das!“, bewarf er sie mit wütenden Steinen. Sie lächelte ihm traurig zu und ließ ihn alleine. Der Wasserkocher schnaufte und vermischte sich mit dem Rauschen des Straßenverkehrs. Der Strom floss an ihm vorbei, schneller als an anderen Flussbiegungen und er drohte und schrie, warum hörte ihn nur keiner? Die Frau hörte ihn. Sie blickte nicht weg, sie sah ihn. Ihre Augen waren entsetzt, ihr Mund kündigten die Tränen an, bevor er sie sehen konnte. Sie blieb nicht stehen, er: „Wenn du wüsstest!“ Das Wasser im Kocher tobt, mit einem Klick schnellt der Hebel hoch.