#100happy days – Tag X: Wann man mittags einen Schnaps trinken sollte

IMAG1155Wir sitzen im Künstler-Café Herman Schulz und No. und ich sprechen über Männer. Ich arbeite dort als Freiwillige, aber gerade bin ich privat am Kaffeetrinken. Th. und An. kommen herein und große Umarmungen folgen. „Du hast aber viel Energie“, sagt Th. „An. hat dir auch schon auf den Hintern gestarrt“, sagt Ti., ein weiterer im Café, der schon zum Inventar gehört. An. verteidigt sich: „Ich habe dich gemustert! Nicht gestarrt! Ich habe mich gefragt, ob du dich für heute Abend schon schick gemacht hast.“ Ich bin tatsächlich an diesem Tag extrem gutaussehend, daher strahle ich und freue mich, dass mein Werk geglückt ist: „Ich brauchte das, da ich die letzten Tage immer so grottig* aussah.“

Im Hintergrund wird Schnaps vorbereitet. Es ist Mittag. Dieses Café kennt keine Regeln, denke ich. No. hüpft um den Tresen herum und alle anderen freuen sich mit. An. winkt mich heran, es gibt etwas zu feiern und ich muss / darf mit Schnaps trinken. Alle stehen im Kreis um das Tablett mit den Schnapsgläsern herum: An., Ti., No. und all die anderen Abkürzungen. Feierlich heben wir das Glas in die Luft.  Ti. redet viel, seine Lippen schließen sich nur für einzelne Buchstaben. No. grinst mir zu, ja ja, Ti., der Quatschkopf. Wir exen, es schmeckt wohlig warm. „43er-Likör mit Kaffee“, erklärt Th.

Es wird ruhig, wir verschwinden in verschiedene Richtungen. No., die extravagante Köchin des Hauses, geht einkaufen, die anderen gehen ins Büro. Ich schreibe, trinke Milchkaffee und schmunzle in mich hinein. In Offenbach hatte ich krampfhaft versucht mir ein Zuhause zu schaffen, endlich bleiben zu lernen. In Berlin ist es einfach passiert, ich bin Zuhause. Auch im Herman Schulz.

*Ein Wort, das nicht zu existieren scheint. In meiner Welt bedeutet es so viel wie gammelig, zerstört, nicht zurecht gemacht, ungepflegt. Übrigens steht es tatsächlich im Duden als Synonym für sehr schlecht.

Foto von Johanna Kindermann: Eine Ecke im Herman Schulz

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Im Zug mit Brad Pitt

Brad Pitt
Brad Pitt läd mich zum Kaffee ein // flickr: Barbara.Doduk

Ich sitze im Zug, fest gegen den Sitz gedrückt, und der Regen trommelt nervös gegen das Fenster. Es setzt sich jemand neben mich und ich brumme leise genervt, denn ich wollte diese Zugfahrt eigentlich nicht in Gesellschaft verbringen. Anscheinend habe ich unabsichtlich etwas zu laut gebrummt, denn völlig überraschend brummt derjenige neben mir zurück: „Brummlgrumml!“ Ich schaue die Person irritiert an, wobei sich unsere Blicke treffen und mir rutscht augenblicklich das Herz in die Hose. Neben mir sitzt Brad Pitt und sofort hasse ich meine beste Freundin, die mich noch überredet hat, dass ich meine olle Jogginghose zum Zugfahren anziehen soll, die zwar unglaublich bequem ist, aber meinen Po auch zu einem unglaublich hängendem Etwas macht. Weiterlesen

Ein Geschenk zwischen Kaffee und Kuchen

Zum ersten Mal ist etwas diesen Blog betreffend passiert, was weder in der Nähe eines Bahnhofs noch eines mich transportierendes Gefährtes war. Ja, ich habe tatsächlich ein Leben neben dem Pendeln. Dann esse ich unheimlich gerne ein Frischkäsebrot mit schwarzen Oliven, schlafe über meine Bücher regelmäßig ein und suche danach verzweifelt die Stelle, und vor allem findet man mich ziemlich oft im Zeitraum. Das ist das Café auf meinem Campus und hier mache ich Kaffee für Geld.

Und hier fängt die Geschichte an. Sebastian Haase wollte Kaffee, stark. Er (Sebastian, nicht der Kaffee) ist leuchtend bunt, ein wenig überengagiert und vor allem pendelt er die selbe Strecke. „Ich habe eine tolle Überraschung für dich!“, kündigte er an, während ich dem nächsten Studenten ein zu großes Stückchen in eine winzige Tüte zwängte. „Ich war im Zug und mir war langweilig. Da war dieser Schlitz.“ – „Ein Schlitz?“ Die winzige Tüte riss zur Hälfte und ich fragte den Studenten entschuldigend, ob das schlimm sei. War es nicht, er aß es an Ort und Stelle mit drei Happen. Ich war beeindruckt. „Genau, ein Schlitz zwischen diesem hängenden Mülleimer und dem Fenster. Mein iPhone schien auf wunderbare Weise perfekt reinzupassen. Also stopfte ich es da rein -PLONG!- und filmte. Habe Musik drunter gelegt und man sieht die ganze Zeit die Landschaft vorbeizischen -TSCHIUUU, TSCHIUUU! Kannst du für deinen Blog benutzen.“ Ich sprang auf und ab und fragte: „Sieht es gut aus?“ – „Nee.“